Ehrendes Gedenken an die jüdischen Opfer der Novemberpogrome

Dieses Jahr jährt sich die Reichspogromnacht zum 87. Mal. Als LINKE unterstützten wir das Bündnis für Demokratie und Toleranz, gegen Rechtsextremismus in der Stadt Suhl erneut bei der Gedenkveranstaltung an der Stele der ehemaligen Synagoge in der Straße der Opfer des Faschismus.

Für das Bündnis eröffnete Heidemarie Schwalbe die würdevolle Veranstaltung. Sie verwies auf das unsägliche Leid der jüdischen Bevölkerung in Suhl. Sie schilderte die vielfältige Verwurzelung der jüdischen Gemeinde vor Ort, zu der Ärzte, Kaufleute und Handwerker gehörten. Sie alle wurden von ihren einstigen deutschen Freunden und Nachbarn verraten. Schwalbe zitierte den italienischen Schriftsteller Primo Levi: „Es ist geschehen, folglich kann es wieder geschehen“. Viele von ihnen fanden in den mörderischen Konzentrationslagern der Nationalsozialisten den Tod.

Schwalbe zog eine Verbindung zu den aktuellen antisemitischen Vorfällen in Thüringen und Deutschland. Schon lange sei die Bedrohung nicht mehr so massiv gewesen wie heute. Viele Jüdinnen und Juden hielten vorsichtshalber erneut ihre Koffer gepackt, für den Fall, dass sich die gegenwärtige Gesellschaft erneut wie unter den Nazis entwickele. Angriffe auf offener Straße seien wieder zu einer alltäglichen Gefahr geworden.

Bürgermeister Jan Turczynski sprach im Namen der Stadtspitze über den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Suhl. Spaltung und Hass könnten keine Antwort auf die Herausforderungen der städtischen Bevölkerung sein. Er erinnerte an die Bedeutung einer offenen Gesellschaft, die aktiv Vielfalt lebt. Turczynski betonte die besondere historische Verantwortung Deutschlands und bekräftigte die Staatsräson gegenüber dem jüdischen Volk in Israel. Er forderte dazu auf, dass sich Pogrome, Verfolgung und Ausgrenzung niemals wiederholen dürfen.

Philipp Weltzien, Landesvorsitzender der VVN-BdA, unterstrich in seiner Rede die historische Kontinuität der Bedrohung. Die Zerstörung der Suhler Synagoge in der Nacht des 9. November vor 87 Jahren sei kein spontaner Akt, sondern ein brutaler, geplanter Schlag gegen das jüdischen Lebens gewesen. Heute sei die Gefahr erneut akut: Eine extrem rechte Partei stelle im Suhler Stadtrat eine starke Kraft und platziere bewusst Personen mit völkisch-nationalistischem Gedankengut. Neonazis instrumentalisierten öffentliche Veranstaltungen und hätten sogar den ersten CSD in Suhl mit Pöbeleien und dem Zeigen des Hitlergrußes gestört. Weltzien mahnte, dass "Brandmauern" allein nicht ausreichten; es brauche einen moralischen Imperativ – Anstand und Haltung. Er warnte davor, dass die Erinnerungskultur ins Leere laufe, wenn extremistischer Hetze im Internet nicht entschlossen begegnet werde, und rief dazu auf, den Widerstand im Alltag durch Klarheit und menschliche Haltung zu erneuern.

Während die Stadtgesellschaft der Opfer gedachte, fehlte ausgerechnet der direkt gewählte AfD-Landtagsabgeordnete Thomas Luhn. Dass ein Volksvertreter es nicht für nötig hält, der jüdischen Opfer des Nazi-Terrors zu gedenken, ist mehr als nur eine schändliche Pflichtvergessenheit – es ist ein politisches Signal der Verachtung und ein Schlag ins Gesicht der Überlebenden und aller Demokraten.

Zum Abschluss legten zahlreiche Bürgerinnen und Bürger sowie Vertreter der meisten Stadtratsfraktionen Blumen und Steine nach jüdischer Tradition zum ehrenden Gedenken nieder.