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Kolumne von Sandro Witt im FW - Teil 4

Renten-Verlierer und Versicherungs-Gewinner

Liebe Mitmenschen, egal wo ich derzeit zu Gesprächen bin: Es gibt dieses eine Thema. Ob am Rande der Jugendweihefeiern, bei denen ich regelmäßig als Festredner die Kinder ermutigen und in die Erwachsenenwelt aufnehmen darf, oder auf Betriebsversammlungen, zu denen ich eingeladen werde. Der Großteil der Menschen fragt offensiv nach, wie ich zum Thema Rente und dem Renteneintrittsalter stehe.

Nachvollziehbar wird das, angesichts der öffentlichen Debatte, in der gefühlt jede Woche „eine neue Sau durchs Dorf“ getrieben wird. Die Begriffe „demographischer Wandel“ und „Generationengerechtigkeit“ sind durch jahrzehntelanges Wiederholen tief in den Köpfen verankert.

Geführt wird diese Debatte gezielt durch zwei gewichtige Akteure. Die private Versicherungswirtschaft und die Arbeitgeberverbände. Die private Versicherungswirtschaft hat einfache Interessen: Lebensversicherungen verkaufen und Gewinne erwirtschaften. Da stört eine funktionierende gesetzliche Rentenversicherung. Leider folgten die Regierungen seit 2004 eher der privaten Kapitallogik und den Lobbyisten der Privatwirtschaft und schwächten die gesetzliche Rente.

Lag das Rentenniveau 2004 noch bei 52,9 Prozent, sind wir derzeit bei 46 Prozent. Wenn nicht bald eine ernsthafte Rentenreform kommt, die sich an den Interessen der hart arbeitenden Bevölkerung orientiert, wird das Rentenniveau weiter fallen und damit auch Ihre Rentenansprüche.

Die Arbeitgeberverbände argumentieren klug, indem sie die derzeitigen Rentenbeziehenden gegen die jungen Menschen argumentativ ausspielen. Generationengerechtigkeit, ein schönes Wort. Benutzt wird es leider, um das Renteneintrittsalter weiter zu erhöhen. Eine Erhöhung des gesetzlichen Renteneintrittsalters bedeutet für Sie aber neben einer Rentenkürzung auch noch, länger arbeiten zu müssen.

Angesichts der sowieso schon vergleichsweise längeren Arbeitszeiten bei uns im Osten ist das die nächste Ungerechtigkeit nach über 30 Jahren so genannter deutscher Einheit. Dieses drängende Thema will ich mit nach Berlin nehmen und lautstark artikulieren.

Ich will eine Erwerbstätigenversicherung unter Einbeziehung aller Erwerbstätigen auch Beamte, Selbstständige und Abgeordnete sollen einzahlen. Damit wären ausreichend Beitragszahlende auch für die kommenden Jahrzehnte vorhanden. Bekommen alle Einzahlenden noch ordentliche Tariflöhne, steht auch guten Renten und einem hohen Rentenniveau nichts mehr im Wege.

Einige Zahlen vom Experten Holger Balodis. Arbeitgeber haben seit Einführung der Riesterrente durch künstlich niedrig gehaltene Rentenbeiträge mindestens 200 Milliarden Euro eingespart. Die Lebensversicherer konnten ihre jährlichen Einnahmen auf über 100 Milliarden Euro steigern. Sie haben seit der von SPD Kanzler Schröder eingeleiteten Teilprivatisierung der Rente schätzungsweise 140 Millionen Rentenpolicen, also Riester-Rente, Rürup-Rente, Privatrente verkauft. Für die Arbeitgeber und die privaten Versicherer haben sich also die Koalitionen aus SPD/ Grüne und CDU/SPD finanziell richtig gelohnt.

Schauen Sie bei Gelegenheit mal auf Ihren Rentenbescheid und prüfen, ob sich die genannten Regulierungen auch finanziell für Ihre kommende Rente gelohnt haben.

Heute bin ich übrigens im Gespräch beim Hauptgeschäftsführer der IHK in Suhl und abends zum Gespräch mit Betriebsräten in Schmalkalden.


Termine

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