15. Februar 2016

Ein trostloses Auf und Ab - Zukunft des „Hauses der Geschichte“ steht nach wie vor in den Sternen

Mit dem unmittelbar danach begonnenen Teilabriss wurde Baufreiheit für die IHK geschaffen. Eine erste Verzögerung trat durch Streitigkeiten der Stadtverwaltung mit der Abrissfirma auf, die unverzüglich dazu genutzt wurde, das einheitliche Projekt in zwei voneinander völlig unabhängige Teile zu betreiben. Nach Meinung des Suhler Stadtrates Dieter Spieker war das für einige Stadträte  willkommener Anlass den städtischen Anteil, die Rekonstruktion des Portalgebäudes zum „Haus der Geschichte“ mit modernem Stadtarchiv in Frage zu stellen. Seither ist es von Jahr zu Jahr zunehmendem inneren Verfall preisgegeben. Trotz elf Stadtratsbeschlüssen in den letzten sieben Jahren zum Umbau des Portalgebäudes wurde der zweite Teil des Projektes in wellenartigen Kampagnen aus dem Stadtrat heraus immer wieder in Frage gestellt. Heute steht das „Haus der Wirtschaft“ kurz vor der Eröffnung, die Zukunft des „Hauses der Geschichte“ steht nach wie vor in den Sternen. Die Disputen im Stadtrat und seinen Ausschüssen über das Schicksal des Portalgebäudes sind in jüngster Zeit bar jeder Sachlichkeit und es  tauchen immer neue Argumente gegen die eigenen Beschlüsse auf. Eine Für-Rede für das Streitobjekt wird zur strafbaren Handlung deklariert. Die Aussage einer Ministerin, dass mit dem Umbau begonnen werden könne wird als dreiste Lüge eingestuft. Überhaupt sei die Fortführung des beschlossenen Projektes Suhls Weg in den vollständigen finanziellen Bankrott. Die Art und Weise, mit der diese Ansichten vorgetragen werden, deutet darauf hin, dass es hier vordergründig nicht mehr um die Gestaltung des Stadtzentrums und die Erhaltung eines Stadtbildes geht, das seit mehr als 50 Jahren das Stadtzentrum von Suhl prägt. Nein, in den Vordergrund werden mehr und mehr parteipolitische Interessen und rein ideologische Gesichtspunkte gestellt. Die gemeinsame Suche nach Lösungen wird schmerzlich vermisst. Schritt für Schritt wird die Suche nach positiven Lösungen aufgegeben. Stattdessen wird festgestellt, was alles nicht geht.

Den Einwohnerinnen und Einwohner unserer Stadt wird damit wahrlich viel zugemutet, denn jede Wortmeldung gerät in den Verdacht einer parteipolitisch motivierten Stellungnahme. Man sollte doch annehmen dürfen, dass nach 25 Jahren deutscher Einheit in Fragen der Stadtgestaltung endlich wieder Besonnenheit, reifliche Überlegung und Behutsamkeit Einzug halten. In den vergangenen Jahren wurde sicher nicht immer ausreichend überlegt, wie in der Stadt geschichtliche Zeugnisse erhalten werden können. Daraus sollten die Stadträte lernen und ihre Meinungen nicht hinter Scheinargumenten verstecken.

Als einer, der nicht in Suhl geboren ist, habe ich die Stadt erstmals mit Blicken aus dem Zugfenster kennengelernt und ich erinnere mich noch heute an ein Stadtbild, das mich  - aus Zella-Mehlis kommend – einfach angenehm überrascht hat. Dazu gehörte jener große und freie Platz mit einer imposanten Freitreppe, die einladend in ein gleichsam erhöhtes Gebäude führt, das unschwer als ein Haus der Kultur erkennbar ist. Später fand ich das bestätigt und ich erfuhr auch, dass dieses imposante Ensemble mit dem ersten Kulturhaus in der Geschichte der Stadt in den Jahren nach dem furchtbaren Krieg entstanden war. In den Kriegsjahren prägten vor allem kleine und mittlere Rüstungsbetriebe das Stadtbild. In der Nachkriegszeit war es nun ein schöner freier Platz, der der kleinstädtischen Enge mit Sicht zu einem Haus für Kultur Paroli bot. Es wäre ein Frevel, dieses Stadtbild, das natürlich auch mit der Gründung des Bezirkes Suhl zu tun hat, verfallen zu lassen oder gar zu zerstören, denn auch der Status Suhls in der DDR gehört zur Stadtgeschichte. Wenn Suhl dieses Haus nicht erhält, verliert es einen Teil seiner Identität.

Positive Lösungen zum Schicksal des innerstädtischen Bildes von Suhl dürfen nach meiner Ansicht nicht weiter verschoben werden und die sichere Archivierung historischer Schätze der Stadt ist nicht nur eine Pflichtaufgabe der Stadt sondern auch eine kulturelle Leistung. 

Was ich bis heute nicht verstehen kann, das sind die finanziellen Warnungen. Das vor allem deshalb, weil noch keiner der Portalgegner jemals Andeutungen über den finanziellen Aufwand eines etwaigen Abrisses gemacht hat. Diese beschränken sich ja nicht nur auf die unmittelbaren Abrisskosten, sondern fordern eine Neugestaltung des frei gewordenen Platzes mit einer sinnvollen Anbindung der Freitreppe. Zu welchen Kosten? Oder soll die Rückwand des neue „Hauses der Wirtschaft“ den Abschluss des Platzes bilden?

Gemeinsam mit dem Freistaat sollten endlich Wege für eine positive Lösung gefunden werden. Vielleicht finden auch die Stadträte, gleich welcher Partei sie angehören, zu gemeinsamen Schritten für die Erhaltung des Stadtzentrums zurück. Das Suhler Stadtzentrum braucht gemeinsame Taten. -K. Walther-