31. März 2017 Dr. Karlheinz Walther

Eine neue Kultur jenseits von Markt und Staat

Es ging um die Zukunft von „Commons“. Referentin war Silke Helfrich, eine profilierte Publizistin und international tätige Aktivistin auf diesem Gebiet. Sie eröffnete den Abend mit einem  Gruppengespräch darüber, was eigentlich jeder so unter „Commons“ versteht. Im Hintergrund stand immer die Frage einer akzeptablen Übersetzung des englischen Begriffs. Könnte man von Gemeingütern oder Gemeinschaftsgütern sprechen, was manche tun, oder gar von Allmende?  Bei ersten beiden Varianten stört die Überbetonung der Gemeinschaft gegenüber dem Individuum, im dritten Fall wird die Aufmerksamkeit auf Rechte der Menschen im Mittelalter gelenkt. Die Übertragung auf Zeiten der digitalen Revolution könnte irreführend sein. Dagegen bringt uns, so Silke Helfrich, der Rückschluss auf die Verwandtschaft des englischen common mit dem lateinischen munus dem Wesen der Sache bedeutend näher, denn es vereint die Gabe mit der Pflicht. Und schon öffnete sich für alle eine ganz neue Denkrichtung. Es wurde deutlich,  dass es sich um eine neue, nichtkapitalistische Wirtschaftsform und Lebenskultur handelt, die weder mit Waren handelt noch staatliche Reglementierungen kennt. Sie braucht keine repräsentative Demokratie mehr sondern bevorzugt die direkte Mitwirkung des einzelnen, der gibt und nimmt.  Aus dieser Überlegung ergab sich, dass in einem solchen Zusammenleben der Menschen die Rolle des Geldes schwindet und der Markt immer mehr an Kraft verliert. Der Übergang zu einer neuen Produktions- und Lebensweise nimmt die Form einer schrittweisen Transformation zu sozialer Gerechtigkeit an. Es entsteht eine andere Welt, die andere Menschen formt.

Der springende Punkt aber besteht darin, dass es sich bei alldem nicht um eine wenig bekannte Theorie handelt, sondern um soziale Prozesse der praktischen Gegenwehr gegen vom Neoliberalismus forcierte Privatisierung in der Welt von heute, übrigens nicht nur in Lateinamerika, sondern auch in den USA, in Europa und in Asien. Und: sie entstehen keineswegs automatisch, sondern werden von Menschen geschaffen. Dabei zeigt sich, die Akteure müssen sie erlernen und üben um Nachhaltigkeit zu erreichen. Es geht auch keineswegs nur um natürliche Commons (Wasser, Wälder, Klima etc.) sondern auch um solidarische Landwirtschaft, Softwareentwicklung, Wikipedia, Bildung und deren Vernetzung.

Die Gespräche mit Silke Helfrich zur Zukunft der Commons haben Denkanstöße zur weiteren Beschäftigung mit dem Thema und vor allem zu  praktischen Impulsen für Commons in unserer Region gebracht. Der Suhler Kulturbaustelle gilt dabei besondere Aufmerksamkeit und Förderung.  Die Veranstaltung hat wieder einmal gezeigt, wie fruchtbar und inspirierend linksalternative Bildung sein kann.

Quelle: http://www.die-linke-suhl.de/nc/presse/news/detail/browse/1/artikel/eine-neue-kultur-jenseits-von-markt-und-staat/