22. Juli 2014 Karlheinz Walther

Vor 100 Jahren begann der I. Weltkrieg

Mehr als 150 neue Sachbücher zum Thema wurden veröffentlicht, das Internet vermittelt dem willigen Server umfangreiche Angebote und die Deutsche Goethe-Gesellschaft veranstaltet in aller Herren Länder Gedenkveranstaltungen. Vorgegebenes Ziel ist, so Kurt Pätzold, eine große europäische Erzählung über den Ersten Weltkrieg ins Leben zu rufen. Dieses Ziel muss allerdings ein Wunschtraum bleiben, denn unterschiedliche politische Interessen von Klassen, Schichten, Staaten und Religionen lassen sich  heute auch nicht zu diesem historischen Thema unter einen Hut bringen. Zumal Kernfragen des Krieges vermieden werden, anstatt sie tabulos zu stellen. So landete Christopher Clarks „Die Schlafwandler“ als Bestseller auf dem deutschen Büchermarkt. Marxistische Untersuchungen erschienen nur in ganz geringerem Umfang. Wer in der Suhler Buchhandlung in der Friedrich-König-Straße nach Kurt Pätzolds Schrift „1914 – Das Ereignis und sein Nachleben“  suchte, wird von der freundlichen Verkäuferin nach erfolglosem Suchen im Bestellservice des Buchhandels ersatzweise auf Clarks Bestseller verwiesen, dessen Titel bereit die Frage nach einer Kriegsschuld für abwegig erklärt. Wenn die Entstehung des Krieges von Zufällen abhängt, wie sollte man ihn jemals verhindern können. Keine Rolle spielt da das von Friedrich Engels angeklagte „auf die Spitze getriebene System der gegenseitigen Überbietung in Kriegsrüstung“, ja nicht einmal die 1961 von dem westdeutschen Historiker Fritz Fischer vermittelte Charakterisierung des Ersten Weltkrieges als „Griff nach der Weltmacht“. Nach Christoffer Clark hat Deutschland nicht mehr Verantwortung für den Krieg als andere Staaten.

Sowohl Professor Pätzold als auch die Diskussionsredner bereicherten die Veranstaltung, mit aktuellen Bezügen und Fragen. So wurde unter anderem gefragt,  ob Europa bereits ein Kontinent des Friedens sei. Der Vorstoß der antirussischen Kräfte in der Ukraine wurde von Prof. Pätzold als Versuch der Vervollständigung des Sieges des Kapitalismus in Europa charakterisiert. Das Ziel dieser aggressiven Politik sei erst dann erreicht, wenn der Maidan auf dem Roten Platz stattfindet.

Angesichts der offensichtlichen Verdrängung der Kernfragen der Auseinandersetzung um den Ersten Weltkrieg empfiehlt die SAZ, sich aktuellen Veröffentlichungen in der linken Presse zuzuwenden. Das im Text erwähnte Buch von Prof. Kurt Pätzold kann über den „verlag am park“ bezogen werden und im Internet findet der interessierte Leser Veröffentlichungen des marxistischen Historikers Stefan Bollinger.

Quelle: http://www.die-linke-suhl.de/nc/presse/news/detail/artikel/vor-100-jahren-begann-der-i-weltkrieg/