29. Juli 2016

Rainer Kräuter: Grundsatzentscheidung erforderlich

Den Beschluss des Bundesarbeitsgerichtes, wegen einer Kündigung eines Chefarztes in einem katholischen Krankenhaus den Europäischen Gerichtshof anzurufen, begrüßt Rainer Kräuter, gewerkschaftspolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE, im Thüringer Landtag.

Die Kirche hatte ihren in leitender Funktion tätigen Mitarbeiter gekündigt, weil dieser ein zweites Mal geheiratet hatte, damit nach dem Glaubensverständnis und der Rechtsordnung der Kirche eine ungültige Ehe schloss und das Vertrauensverhältnis nach Ansicht des Arbeitgebers zerstörte. Der Gewerkschaftspolitiker kommentiert: „Zunächst sollte die Kirche im 21. Jahrhundert ankommen und akzeptieren, dass Menschen heute nicht auf ewig gemeinsam leben, sondern sich trennen und ggf. eine neue Partnerschaft eingehen. Den Beschluss des Bundesarbeitsgerichtes kann ich nur gutheißen und hoffen, dass die Entscheiderinnen und Entscheider am Europäischen Gerichtshof endlich diesen Sonderstatus der Kirchen beenden.“

Arbeitsverhältnisse bei der Kirche oder in von ihr getragenen Einrichtungen unterliegen dem kirchlichen Selbstbestimmungsrecht. Kirchliche Einrichtungen schließen keine Tarifverträge ab und Arbeitskämpfe, also eine der grundlegendsten Maßnahmen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zur Durchsetzung ihrer Ziele, sind nicht erlaubt.

„Die Kirche ist eine religiöse Institution, die ich achte und wertschätze. In ihren Einrichtungen jedoch geht es um kapitalistische Wertschöpfung und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterliegen allen Pflichten, die auch andere Beschäftigte wahrzunehmen haben. Es wird Zeit, dass sie auch die gleichen Rechte bekommen. Ich kann zudem nicht verstehen, dass ein Chefarzt, der neun Jahre lang offenbar eine gute Arbeit geleistet hat, diese nicht mehr durchführen darf, weil er einen Schritt ging, der mit seiner Arbeit nichts zu tun hat und der im Jahr 2016 sicherlich zu einem in der Gesellschaft völlig anerkannten Lebenskonzept gehört“, so Kräuter.

Abschließend sagt der Landtagsabgeordnete: „Selbstverständlich müssen sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit den Idealen ihres Unternehmens, ihrer Einrichtung, identifizieren. Bei einem nur in der Kirche so strittigen Thema, wie Scheidung und zweiter Ehe, sollten die Vertreterinnen und Vertreter jedoch die Lebensrealitäten bedenken und ihren Beschäftigten ein Leben im 21. Jahrhundert zugestehen!“

Quelle: http://www.die-linke-suhl.de/nc/presse/news/detail/artikel/rainer-kraeuter-grundsatzentscheidung-erforderlich/