23. Mai 2016 Eckard Griebel

DEFA 70

Das Filmschaffen der DDR brachte zahlreiche Werke hervor, die künstlerisch anspruchsvoll waren und durchaus ein Massenpublikum anzogen, auch im Ausland. Die Qualität der Märchenfilme der DEFA ist heute ebenso legendär wie die der Indianerfilme. Viele dieser Filme, deren Rechteinhaber heute die DEFA-Stiftung ist, konnte man in den vergangenen Tagen und Wochen im Fernsehen und auch in Kinos sehen, dankenswerterweise sogar bei uns in der Provinz im Kino Schauburg in Zella-Mehlis.

Bei der erneuten oder auch ersten Begegnung mit den „Verbotsfilmen“ von 1965/66 fragt man sich unwillkürlich: Warum wurden diese Filme verboten? Und es fallen einem die Worte Stefan Heyms ein, mit denen er in „Nachruf“ die auf dem berüchtigten „Kahlschlag“-Plenum von Honecker eingeleitete politisch-ideologische und disziplinarische Treibjagd gegen Filmschaffende, Schriftsteller, bildende Künstler und andere Intellektuelle treffend charakterisierte:

„Der Spruch der Partei: Lüge! Die Worte des Politbüros: Entstellungen und Verfälschungen!“

Den - zum großen Teil auch international hoch angesehenen - DEFA-Filmschaffenden wurde es immer und immer wieder mit den teilweise absurdesten Begründungen verwehrt, ideologisch unabhängige, kritische künstlerische Begleiter des Sozialismusversuches, der sich zwar DDR nannte, dem es aber an allen Ecken und Enden an Demokratie und Meinungsfreiheit mangelte, zu werden. Die Liste der verbotenen Filme ist lang, auch die der ausgegrenzten und außer Landes getriebenen Filmschöpfer, ein Aderlass, der immer stärker wurde. Auch daran ist die DDR zerbrochen, es war ein Angriff der selbstherrlichen, auch in Kunstfragen zutiefst inkompetenten Politbürokraten auf das geistige Immunsystem der ostdeutschen Gesellschaft, die doch der im Westen überlegen sein sollte.

Jedoch: trotz aller Kahlschläge bestätigen ambitionierte geschaffenen Ausnahmen auch hier die Regel (z.B. auch der in der Schauburg gezeigte Film „Hostess“ von 1976), aber es waren viel zu wenige, um notwendige

gesellschaftliche Diskurse über eine demokratisch-sozialistische Umgestaltung der DDR zu befördern. Das Ende dieser Entwicklung kam dann so, wie es kommen musste...

Quelle: http://www.die-linke-suhl.de/nc/presse/news/detail/artikel/defa-70/