28. Oktober 2015

Solidarität mit Flüchtlingen - Geplanten Fackelmarsch in Rudolstadt nicht widerspruchslos hinnehmen

„Sollte es zutreffen, dass am kommenden Sonntag ein von Neonazis organisierter Aufmarsch mit Fackeln vor oder in der Nähe der Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge in Rudolstadt stattfinden kann, dann ist dies nicht nur ein fatales Signal an die rechten Hetzer und Brandstifter, sondern leistet einen Beitrag zu einer möglichen Retraumatisierung von Flüchtlingen“, betont Katharina König, zuständige Abgeordnete der Fraktion DIE LINKE für den Landkreis Saalfeld-Rudolstadt.

Seit mehreren Tagen mobilisiert die Neonazi-Szene zu einem Fackelmarsch in Rudolstadt. Startpunkt soll ausgerechnet am „Platz der Opfer des Faschismus“ (Busbahnhof) sein, wo erst am 7. Oktober ein jugendlicher Syrer Opfer einer rassistischen Attacke wurde und leicht verletzt wurde.

Geplant sei eine Umrundung der Gemeinschaftsunterkunft. Erst am 2. Oktober fand ein von einer Saalfelder NPD-Kreisrätin angemeldeter rassistischer Aufmarsch in der Nähe der Unterkunft statt, an dem etwa 350 Personen, darunter viele Neonazis teilnahmen. Seitdem gab es eine Steigerung von neonazistischen Vorfällen und Übergriffen in der Region. Die Abgeordnete hat dazu für die Plenarsitzung des Thüringer Landtages in der kommenden Woche eine mündliche Anfrage eingereicht.

„Solche rassistischen Proteste tragen an sich schon zu einem Entstehen von temporären und lokalen Angsträumen bei. Wenn diese allerdings auch noch an Unterkünften von Flüchtlingen oder in deren Umgebung vorbeiführen und die Teilnehmer_innen dabei zusätzlich Fackeln tragen, mag man sich kaum ausmalen, was in den Köpfen der geflüchteten Menschen vorgehen muss. Menschen, die aus ausgebrannten oder zerbombten Städten fliehen mussten, müssen nun erneut befürchten, dass ihre neue  Unterkunft wie über 60 andere geplante und bewohnte Unterkünfte in Deutschland in diesem Jahr Ziel eines Brandanschlages wird. Wenn wir so etwas dulden, dann leistet das einer Retraumatisierung Vorschub“, so die Abgeordnete König, die an die Sensibilität der Zuständigen appelliert, hier die richtige Entscheidung zu treffen.

„Egal, ob die Nazis mit oder ohne Fackeln laufen, es bleibt zu hoffen, dass auch die Rudolstädter entschieden Nein sagen, sich den Neonazis entgegenstellen und den Geflüchteten solidarisch zur Seite stehen“, macht Katharina König deutlich, die den Aufruf vom Bündnis „Zivilcourage und Menschenrechte“ im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt unterstützt und ebenso dazu aufruft, sich an den Protesten gegen den Fackelmarsch der Neonazis zu beteiligen.  Gegenproteste finden ab 17.00 Uhr u.a. am Markt und nahe der Gemeinschaftsunterkunft statt.