29. April 2014

Vertrauliche Geburt soll Babyklappen überflüssig machen

Zum 1. Mai tritt der Gesetzentwurf zur vertraulichen Geburt in Kraft, der schwangeren Frauen in Notsituationen helfen soll,  ihr Kind medizinisch betreut zur Welt zu bringen, ohne dieses zur Wahrung ihrer Anonymität in eine Babyklappen geben zu müssen. "Ich begrüße dieses Gesetz ausdrücklich", sagt Karola Stange, gleichstellungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag. "Wir diskutieren seit langem darüber, ob Babyklappen die beste Wahl sind, Frauen in Notlagen zu unterstützen und Kinder zu schützen."

"Wir haben uns im Landtag immer wieder intensiv damit auseinandergesetzt, ob Babyklappen tatsächlich Leben retten oder ob sie jene Frauen gar nicht erreichen, die ihre Kinder nach der Geburt töten", sagt die Karola Stange. Hinzu kam, dass sich anonyme Geburten und Babyklappen in einer rechtlichen Grauzone bewegen, die auf Dauer nicht hingenommen werden sollte. Zumal damit den Kindern ihr international anerkanntes Grundrecht auf das Wissen um die eigene Herkunft vorenthalten wird. Mit dem neuen Gesetz wird versucht, Frauen und Kinder so gut wie möglich zu schützen und gleichzeitig Kindern die Möglichkeit zu eröffnen, nach 16 Jahren vertraulich hinterlegte Informationen über ihre Herkunft zu erhalten. Gänzlich abgeschafft werden sollen die Babyklappen jedoch nicht, weil nicht auszuschließen ist, dass damit ein Kinderleben gerettet werden kann.
"Das Gesetz wird jedoch nur so gut sein, wie es in der Praxis bekannt gemacht und vor Ort unterstützt wird", stellt Karola Stange fest. "Frauen in existentiellen Notlagen werden dann Hilfsangebote annehmen, wenn sie davon wissen." Hier gelte es, das Bundesgesetz in Thüringen umfassend bekannt zu machen. Wichtige Anlaufstellen sind Schwangerschaftsberatungsstellen und Hebammen, die Frauen bei der vertraulichen Geburt begleiten können. "Umso nötiger ist es, die Beratungsstellen finanziell gut auszustatten und endlich den Konflikt um die Haftpflichtprämien der Hebammen zu lösen", fordert die LINKEN-Politikerin. "Wenn Hebammen gezwungen sind, ihren Beruf aufzugeben, können sie den Frauen nicht helfen."